In den 90er Jahren wurde der Vorname Ada wieder von Eltern für ihre Kinder gewählt. Literarisch war das wohl weniger eine Spätfolge des gleichnamigen Romans von Vladimir Nabokov als vielmehr dem erfolgreichen Roman “Die Entdeckung des Himmels” des Niederländers Harry Mulisch (1927 bis 2010) zu verdanken, der damit dem breiteren deutschen Publikum bekannt wurde. Bereits 10 Jahre zuvor, 1982, war er mit dem Roman “Das Attentat” in Erscheinung getreten, dem diese Buchvorstellung gewidmet ist.
Ohne zu viel vorwegzunehmen: Wir begleiten die Hauptperson Anton Steenwijk durch ca. 60 Jahre in verschiedenen kurzen Episoden. Als Zwölfjähriger wird er Zeuge eines Attentats von Widerstandskämpfern auf einen holländischen Faschisten, in dessen Folge seine gesamte Familie ausgelöscht wird.
Die folgenden Episoden zeigen ihn, wie er im Laufe seines Lebens fast zufällig – denn er ist als Anästhesist tätig und versucht auch die Gedanken
an das Vergangene zu betäuben – die Hintergründe dieses Mordes erfährt. Das mach vordergründig doe Spannung dieses Romans aus. Die eigentliche Spannung aber ergibt sich aus den Begegnungen Antons mit den verschiedenen Akteuren von damals, den ehemaligen Nachbarn, dem Sohn
des Opfers, den Attentätern. Aus diesen Begegnungen wird deutlich, dass die wenigen Minuten des Attentats die Leben aller dieser Menschen bestimmt haben. Gerade Anton, der als einziger Überlebender seiner Familie eigentlich der Hauptbetroffene ist, der sich sein ganzes Leben lang bemüht hat, die Vergangenheit zu verdrängen, muss bemerken, dass es nicht Schuldige und Unschuldige gibt, sondern nur die durch diese wenigen Minuten Betroffenen, die dadurch – am Leben leidend – verbunden sind. Mulisch selbst sagte einmal von sich: “Ich bin der zweite Weltkrieg”. Sein österreichischer Vater war nach dem Krieg drei Jahre in einem Internierungslager für Kollaborateure, seine jüdische Groß- und Urgroßmutter wurden in Sobibor ermordet.
In dieser kurzen Parabel kommen viele Stimmen zum Thema Schuld, Verantwortung, Rache, Rechtfertigung, Rechenschaft und Vergangenheitsbewältigung, aber auch politische Verantwortung, zu Wort. (Katharina von Samson-Himmelstjerna)